Verlosung

Ich bekomme regelmäßig Bücher von Verlagen zur Verfügung gestellt, um sie hier bei Buchsport zu besprechen. Weil ich aber Leser und nicht Sammler bin und außerdem etwas Platz im Regal bräuchte, verlose ich folgende Bücher unter allen Newsletter-Abonnenten:


Mir verschafft das ein halbes Regalbrett Platz und euch gute Lektüre.


Wie könnt ihr mitmachen? Einfach den Newsletter abonnieren:


Mitte Oktober ziehe ich die Gewinner*innen. Ich werde ein Draft-System verwenden: es werden neun Personen gelost, in der Reihenfolge des Loses dürfen die Bücher ausgesucht werden.

Die Aktion ist abgelaufen. Abonniert den Newsletter trotzdem, dann werdet ihr über die nächste Verlosung informiert.

Illustriertes Regel-Lexikon des Sports

Als Zufallsfund in einer Ferienwohnung bin ich auf das „Illustrierte Regel-Lexikon des Sports“ gestoßen – und wurde augenblicklich 30 Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Als Kind habe ich viel in diesem Buch geblättert. Hatte ich ganz vergessen, möchte es aber allen Sportinteressierten sehr empfehlen.

Titelseite des Illustrierten Regel-Lexikons des Sports.
Ein wenig veraltet, dennoch eine wahre Goldgrube: Das Illustrierte Regel-Lexikon des Sports.

Der Untertitel des Lexikons ist ähnlich dröge wie der Titel: „Über 150 Einzel- und Mannschaftssportarten aus aller Welt mit 2500 farbigen Illustrationen“. Dahinter verbirgt sich aber ein wahrer Schatz an Informationen und Erklärungen. Wie spielt man Hurling, Shinty oder Canadian Football? Was ist Pelota und wie funktioniert Rollschuh-Derby? Aufgeteilt in 13 Kategorien – bspw. Wassersport, Sport mit Tieren oder Präzisionsspiele – werden die unterschiedlichsten Sportarten mit Zeichnungen und kurzen, gut verständlichen Texten auf jeweils einer Doppelseite erläutert.

Präziser lässt sich Hurling nicht beschreiben, als im „Illustrierten Regel-Lexikon des Sports“.

Wie alle Sportarten wird auch Hurling auf einer Doppelseite dargestellt.

Das Lexikon ist inzwischen etwas veraltet. Einige Regeln wurden geändert und die Markierungen für „olympische Sportart“ stimmen auch nicht mehr hundertprozentig. Trotzdem ist es ein wunderbares Buch zum Nachschlagen und Stöbern. So präzise findet man Erklärungen zu Sportarten auch im Internet nicht unbedingt.

Damit ist das „Illustrierte Regel-Lexikon“ ein perfekter Begleiter für lange Fernsehtage bei olympischen Spielen, egal ob Sommer oder Winter. Mit fünf Minuten Lektüre gewinnt man ein ganz neues Verständnis für die jeweiligen Sportarten.

Zu kaufen gibt es das „Illustrierte Regel-Lexikon des Sports“ nur noch antiquarisch (ca. 10-15 €). Der Verlag, in dem es erschienen ist, gehörte zu Weltbild, wurde aber zwischenzeitlich eingestellt. Eine wünschenswerte Neuauflage des Lexikons gab es anschließend nicht.

Riegel, Wilhelm M. (Übers.): Illustriertes Regel-Lexikon des Sports. Über 150 Einzel- und Mannschaftssportarten aus aller Welt. Bechtermünz [1994?], 317 Seiten.

„Wahnsinn, wie schwierig es früher war, Informationen zu bekommen.“ – Interview mit Jan Hieronimi und Dré Voigt

Jan Hieronimi und Dré Voigt haben zwei sehr dicke, aber äußerst kurzweilige Bücher über Basketball im Allgemeinen und die NBA im Speziellen geschrieben. Und sie waren so nett, ein paar Fragen zu ihren Lieblingsbüchern, Dirks Nachfolger und der NBA im Fernsehen zu beantworten.

–  Jan, Dré, wir dürften zur ungefähr gleichen Zeit angefangen haben, uns für NBA-Basketball zu interessieren, so Anfang der 90er. Habt ihr aktuelle und ewige Lieblingsspieler?

JH: Ich mag Steph Curry. All-time sind es bei mir Kobe Bryant, Jason Williams und Jason Kidd.

DV: Chris Mullin war mein Jugendidol. Unglaublicher Spieler, unglaublicher Werfer, clever. Deswegen hat er mich damals so geflasht. Aktuell sehe ich immer noch gerne Nowitzki, auch weil da eine persönliche Verbindung ist und er mich im beruflichen Leben seit knapp 20 Jahren begleitet. Und wenn man Stephen Curry und Klay Thompson sieht, wie sie ihr Offensivspiel zelebrieren, das kann mich sehr gut anschauen. Lebron schaue ich auch gerne – wahrscheinlich würden mir jetzt noch zehn Namen einfallen.

–  Welche Teams zu ihren Glanzzeiten hättet Ihr gerne mal gegeneinander spielen sehen?

JH: Die Celtics von ’86 um Larry Bird gegen die Lakers ’00 mit Kobe und Shaq.

DV: Die Celtics von ’86 hätte ich auch gerne gesehen, gegen die Warriors von 2017 um mal zu schauen, was die technisch versierten Big Man von Boston da machen würden. Die konnten aufposten, waren in der Defense zwar relativ unbeweglich, aber sehr clever. Larry Bird würde heute wahrscheinlich ganz anders spielen, viel mehr Dreier nehmen. Das wäre eine Begegnung von zwei der besten Teams aller Zeiten.

–  Was ist aus Eurer Sicht die gravierendste Änderung oder Entwicklung in den letzten 10 Jahren im Basketball?

JH: Defensive three seconds & Handchecking – beides hat den Wahnsinns-Offensiv-Basketball der Gegenwart ermöglicht.

DV: Da hat Jan die richtigen Punkte genannt, denke ich.

–  Wir sind alle von jump ran und den NBA-Shows im DSF angefixt worden. Warum ist die NBA Eurer Meinung nach schon so lange nicht mehr im frei empfangbaren TV zu sehen? Die Merchandising-Einnahmen müssten doch eigentlich die TV-Rechte locker übertreffen.

JH: Aus meiner Sicht liegt das an der globalen Sicht auf die Wertigkeit der TV Rechte. Die NBA will sich nicht auf Diskussionen darüber einlassen, warum die TV-Rechte in Land X teuer sind (weil es dort Sender gibt, die sie teuer abnehmen) und in Deutschland verramscht werden.

DV: Die NBA verkauft die Rechte an die TV-Stationen. Das ist ein Business losgelöst von anderen Einnahmen und die 30 Teams wollen so viel Geld verdienen, wie möglich. Der andere Punkt ist, dass es im frei empfangbaren Fernsehen niemanden gibt, der die Rechte kaufen will, weil es auch niemanden gibt, der ein Konzept hätte, was er mit den Rechten machen würde. Das ist ein Gedanke, der mir neulich mal kam: welcher TV-Sender hat eigentlich in den letzten 30 Jahren wirklich ein Konzept gehabt, wie er die NBA präsentiert im frei empfangbaren Fernsehen? Niemand. In den goldenen Zeiten in den 90ern, denen wir alle nachtrauern, war es doch so, dass im DSF Spiele liefen, die zum Teil schon zwei Tage alt waren. Oder es wurden Spiele in eine Stunde gepackt und Du hattest Situationen, dass die Celtics im zweiten Viertel mit 20 vorne waren, dann der Sprung direkt ins vierte Viertel folgte und man einfach das Spiel nicht gesehen hat. Es gab noch kein on-demand, was ein game changer war und ein großer Vorteil der Streaming-Plattformen ist. Zudem erreicht die NBA mit Youtube und anderen sozialen Medien mehr Menschen, als sie das jemals mit Fernsehen geschafft hat.

–  Mit dazn gibt es jetzt ja auch in Deutschland wieder einfache und gute Möglichkeiten, regelmäßig Spiele zu sehen. Wer wird nach Dirks Karriereende dafür sorgen, dass die NBA aus deutscher Sicht interessant bleibt?

JH: Dennis Schröder und Maxi Kleber.

DV: Die NBA wird dafür sorgen. Wir haben einige Deutsche die dort spielen. Keiner wird so gut sein wie Dirk. Die deutschen Spieler leisten sicherlich ihren Teil, aber es ist eben nur ein Teil. Für die Fans der NBA (vielleicht nicht die nur allgemein Sportinteressierten) sind die Stars interessant. Es ist nicht so und war noch nie so, dass wir eine deutsche Ikone brauchen, die das Interesse hochhält.

Die Basketballnerds: Jan Hieronimi und Dré Voigt (v. li.).

–  Was hat Euch bei Euren Recherchen für Planet Basketball überrascht? Welche Geschichte hielt für Euch in ihrer Entstehung die größte Überraschung bereit?

JH: Mit weitem Abstand das Intro-Kapitel über die Geschichte der Fankultur in Basketball-Deutschland. Wahnsinn, wie schwierig es vor Jahrzehnten war, Informationen oder Produkte zu bekommen, die heute alltäglich sind.

DV: Schwierig, weil wir schon so lange im Thema sind. Sicher gibt es immer mal wieder den Moment, an dem man denkt „ah, krass, das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm“. Wenn wir hinter die Kulissen der NBA schauen konnten und man sieht, dass die Spieler Menschen wie Du und ich sind, das fand ich immer am überraschendsten.

– Buchsport ist ein Bücherblog, deshalb noch ein paar Bücher-Fragen. Was sind Eure Lieblingsbücher – über Basketball und ganz allgemein?

JH: Jordan Rules (über Michael Jordans Bulls), Tall Tales (über die ABA) und The Book of Basketball, interessant auch Loose Balls (Jayson Williams) und die Biografie von Jerry West.

DV: Für Basketball kann ich immer David Halberstam: Playing for Keeps. Michael Jordan and the world he made. empfehlen. Das ist der Klassiker, den man gelesen haben muss, denke ich. Außerdem, auch von Halberstam, The Breaks of the Game, das vielleicht beste Basketballbuch aller Zeiten. Das Book of Basketball von Bill Simmons muss gelesen werden. Basketball and Other Things von Shea Serrano lese ich gerade. Wenn wir über Bücher zu Sport allgemein reden, finde ich die Bücher von Tobi Escher über Fußballtaktik extrem geil, weil sie einem in klarer Sprache die Thematik näher bringen. Wenn man sich ein bisschen für Fußball interessiert, muss man das gelesen haben.

– Welche Sportlerbiografie würdet Ihr gerne noch lesen?

JH: Da bin ich uninformiert was es gibt… Dré?

DV: Viele von diesen Sportlerbiografien sind sich so ähnlich: die Leidenschaft wird in der Jugend entfacht, dann wird tierisch geackert und dann kommen sie groß raus. Vielleicht müssen sie sich zwischendurch noch durch eine Verletzung oder Sucht oder so kämpfen. Ich glaube, ich würde gerne die Biografie von einem wie Conor McGregor lesen. Wo einfach einer ehrlich raushaut, was passiert ist in seinem Leben und wo einer auch richtig krasse Geschichten erzählt hat. Muhammad Ali wäre sicher noch so eine Figur der viel und herausragendes erlebt hat in seinem Leben. Mike Tyson vielleicht noch. Ich weiß aber nicht, ob es da schon Standardwerke gibt. Vielleicht kann ich mich im Sommer mal darum kümmern, wenn ich Zeit zum Lesen habe.

– Und welche schreiben?

JH: Dennis Schröder würde sich anbieten 😉

DV: Ich traue mir nicht wirklich zu, so ein Buch zu schreiben, das ein Leben von jemand anderem abbilden soll. Von sich selber, wo man alles weiß, ist das schon mega schwierig. Aber mit Mike Tyson quatschen, und der erzählt einem alles, das wäre wahrscheinlich sehr geil. Aber ob ich das dann auch zusammenschreiben könnte, ist eine andere Sache.

– Habt Ihr ein neues Buchprojekt in Aussicht?

JH: Sobald Kinder und Hausbau uns die Zeit lassen, natürlich Planet Basketball 3!

DV: Ist bei mir aus den gleichen Gründen wie bei Jan schwierig. Irgendwann kommt sicherlich Planet Basketball 3, aber noch nicht diesen Sommer. Vielleicht im nächsten, schauen wir mal.

Hier geht es zu meiner Besprechung von Jan und Dres Erstlingswerk, Planet Basketball.

Ihr findet die beiden auf Basketballnerds.de, im Got Nexxt-Podcast und bei Twitter.

Planet Basketball

Ist es ein gutes Zeichen, wenn ein Buch den Leser dazu bringt, mitten im Kapitel zu Youtube zu wechseln? In diesem Fall ganz klar ja. Dank „Planet Basketball“ von André Voigt und Jan Hieronimi habe ich so viel NBA geschaut, wie in den letzten 10 Jahren nicht. Vieles davon waren Highlight Reels von Spielern meiner Jugend. Und ich habe Spieler entdeckt, die vor oder nach der Zeit aktiv waren, als NBA-Basketball im FreeTV zu sehen war. Blake Griffin, woah. Wer nach „Planet Basketball“ keinen Bock hat, gleich den nächsten Freicourt anzusteuern, hat diesen Sport nie geliebt.

Umfassender und unterhaltsamer Überblick über die Geschichte der NBA.

Vince Carter. Hakeem Olajuwon. LeBron James. Julius Erving. John Stockton. Jedem Basketballfan schießen bei diesen Namen Bilder von Dunks, Blocks, Hakenwürfen oder No-look-Pässen in den Kopf. Und die genannten sind nur ein kleiner Teil der behandelten Spieler.

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt („Basketball in D“, „Stars“, „Sorgenkinder“, „Legenden“ und „Bonus“), von denen jeder zahlreiche Kapitel enthält. Immerhin ist „Planet Basketball“ mit 512 Seiten ein echter Brocken. Mir haben die „Sorgenkinder“ und die „Legenden“ am besten gefallen. Grant Hill ist der einzige NBA-Spieler, dessen Shirt ich je besaß. Voigt und Hieronimi widmen dem Forward, der wegen zahlloser Verletzungen die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte, neun Seiten. Earvin „Magic“ Johnson und Larry Bird kannte ich zwar vom Namen her, ihre großen Jahre habe ich aber nicht live erlebt. Hieronimi erzählt in seinen Kurzbiografien so mitreißend von ihrer Rivalität und Freundschaft, dass ich mehrere Stunden in Clips ihrer Highlights abgetaucht bin (zum Beispiel diesem hier).

Am Ende des Legenden-Kapitels findet sich ein Buch-im-Buch. Was Voigt als „NBA-Storys“ in ein Kapitel packt, hätten andere als „111 Gründe, die NBA zu lieben“ gesondert verkauft. Und wären dabei wahrscheinlich weniger originell geblieben. Dieses Kapitel alleine lohnt den Kauf des Buches. Oder hättet ihr gewusst, dass Michael Jordan 1990 einmal mit der Nummer 12 aufgelaufen ist? Am Ende dieses Kapitels gibt es eine Geschichte des Dunks und obendrein noch die Zusammenstellungen „Die besten Dunker aller Zeiten“ und „Die Top-Five-Dunks“. Spätestens da verabschieden sich viele Leser wahrscheinlich wieder länger in die Tiefen der Video-Archive.

Reporter: „Mr. Walker, warum schießen sie so viele Dreier?“ – Antoine Walker: „Weil es keine Vierer gibt.“

Der Großteil der Geschichten entstammt der Basketball-Zeitschrift „Five“, deren Chefredakteur Dre Voigt seit 2003 ist. Das sehe ich nicht als Makel, weil die Geschichten zeitlos sind und viele zudem für das Buch überarbeitet wurden.

Jeder, der Mitte der 1990er Sonntag morgens jump ran geschaut hat, wird an diesem Buch seine helle Freude haben. Allen, die damals noch nicht geboren waren, ist das Buch umso mehr empfohlen. Unterhaltsamer wird die Geschichte des kommerziellen Basketballs nirgends erzählt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die derzeit auf meinem Nachttisch liegt.

Die beiden Autoren waren außerdem so nett, mir ein paar Fragen zu ihrer Sicht auf die NBA, Sportbücher und geplante Projekte zu beantworten. Hier geht es zum Interview.

Voigt, André und Jan Hieronimi: Planet Basketball. Full Court Press: 10 Jahre zwischen Kobe und Keyboard. Basketballnerds 2016 (6., akt. Auflage; 2011). 512 Seiten.

Planet Basketball bei Amazon kaufen.

Oder ohne Affiliate Link direkt bei basketballsnerds.de

Das Buch wurde mir auf Anfrage von den Autoren zur Verfügung gestellt.

The Captain Class

The Captain Class

Was haben Ferenc Puskás, Bill Russell, Jérôme Fernandez und Mireya Luis gemeinsam? Sie waren Kapitän_in einer der erfolgreichsten Sportmannschaften der Geschichte. Sam Walker begann für einen Artikel im Wall Street Journal mit der Recherche nach den Gründen, die ein sehr gutes Team von einer die Sportart überstrahlenden Dynastie unterscheiden. Der Artikel ist nie erschienen – dafür aber dieses großartige Buch. Walker kam durch seine Recherchen zu dem Schluss, dass der Kapitän oder die Kapitänin der entscheidende Faktor für den Erfolg ist.

Mir hat besonders gefallen, dass Walker versucht, sich dem Thema mit wissenschaftlichen Methoden zu nähern. Er greift nicht willkürlich erfolgreiche Mannschaften heraus, sondern definiert zunächst Kriterien, die diese erfüllen müssen (mindestens fünf Spieler, die gemeinsam auf dem Feld stehen und mit einem gegnerischen Team interagieren; eine Mindestzahl von Ländern, in denen es eine große Sportart und damit genügend Konkurrenz auf hohem Niveau gegeben ist; eine Erfolgsserie über mehrere Jahre die sich statistisch von allen anderen in der jeweiligen Sportart abhebt). Nach diesen Kriterien siebt er am Ende zwölf Mannschaften heraus. Im Anhang findet sich darüber hinaus eine Liste mit allen untersuchten Teams und ihrer Platzierung.

The Captain Class

Die zwölf Mannschaften und ihre Spielführer_innen, die für Walker zur ersten Kategorie zählen, sind

  • Collingwood Magpies (Australian rules football, 1927-30; Syd Coventry)
  • New York Yankees (Major League Baseball, 1949-53; Yogi Berra)
  • Ungarn (Männerfußball, 1950-55; Ferenc Puskás)
  • Montreal Canadiens (National Hockey League, 1955-60; Maurice Richard)
  • Boston Celtics (National Basketball Association, 1956-69; Bill Russell)
  • Brasilien (Männerfußball, 1958-62; Hilderaldo Bellini)
  • Pittsburgh Steelers (National Football League, 1974-80; Jack Lambert)
  • Sowjetunion (Männereishockey, 1980-84; Waleri Wassiljew)
  • Neuseeland All Blacks (Rugby Union, 1986-90; Wayne Shelford)
  • Kuba (Frauenvolleyball, 1991-2000; Mireya Luis)
  • Australien (Frauenfeldhockey, 1993-2000; Rechelle Hawkes)
  • Vereinigte Staaten von Amerika (Frauenfußball, 1996-99; Carla Overbeck)
  • San Antonio Spurs (National Basketball Association, 1997-2016; Tim Duncan)
  • FC Barcelona (Profifußball, 2008-13; Carles Puyol)
  • Frankreich (Männerhandball, 2008-15; Jérôme Fernandez)
  • Neuseeland All Blacks (Rugby Union, 2011-15; Richie McCaw)

Einige der Beispiele leuchten unmittelbar ein und wären wahrscheinlich vielen Sportfans sofort in den Sinn gekommen. Bei den New York Yankees ging es nur um die Frage, welche der legendären Mannschaften die Aufnahme in Walkers elitären Kreis schaffen würde. Die Eishockey Nationalmannschaft der UdSSR der frühen 80er Jahre funktionierte wie eine perfekt geölte Maschine und stellte unglaubliche Rekorde auf. Und der FC Barcelona gewann zwischen 2008 und 2013 alles, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt. Mehrfach.

Hätte mich jemand nach der besten Basketballmannschaft in der Geschichte der NBA gefragt, hätte ich spontan wahrscheinlich Michael Jordans Chicago Bulls der 90er Jahre genannt. Wenn Jordan sich nicht zwischendurch eine Pause genommen hätte, um sein Glück als Baseballprofi zu suchen, hätte es vielleicht auch für eine Platzierung in Kategorie eins gereicht. So aber sind die Boston Celtics um Kapitän (und später Spielertrainer) Bill Russell mit elf Meistertiteln in 13 Jahren das Maß aller Dinge. Und im Hinblick auf die Konstanz liegen die San Antonio Spurs mit 19 Play-Off-Teilnahmen in Folge deutlich vorne.

Jordan ist auch ein gutes Beispiel, dass ein Starspieler nicht zwangsläufig auch ein guter Kapitän ist. Eine Gemeinsamkeit der Spielführer in Kategorie eins ist, dass sie eher die Wasserträger ihrer Mannschaft waren und das Licht der Öffentlichkeit mieden. Sie stellten den Mannschaftserfolg über die eigenen Statistiken. Für den Erfolg ihres Teams legten sie sich mit Gegnern, Schiedsrichtern und wenn nötig auch dem eigenen Trainer oder der Klubführung an. An diesem Punkt erzählt Sam Walker auch ausführlicher über Phillip Lahm, der als einer von drei Fußballspielern gleich zwei Mannschaften der Kategorie zwei anführte (die anderen beiden sind Franz Beckenbauer und Didier Deschamps). Walker führt den Erfolg des FC Bayern in den 2000er Jahren auf das Interview zurück, das Lahm der Süddeutschen Zeitung gab und in dem er die Clubführung dafür kritisierte, keinen langfristigen Plan zu haben. In der Folge wurde unter Trainer Luis van Gaal eine Spielphilosophie entwickelt, der der Verein bis heute folgt.

Seinem wissenschaftlichen Ansatz folgend, zieht Walker unter anderem die Trainer als alternative Begründung für eine alles überstrahlende Erfolgsserie einer Mannschaft in Betracht. Er kommt bei seiner Untersuchung aber zu dem Schluss, dass diese Serien häufig mit der Zugehörigkeit bestimmter Spieler zu der Mannschaft zusammenfallen, der Trainer aber zwischenzeitlich wechselt.

Für mich gehört The Captain Class klar zu den besten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ich würde es jedem empfehlen, der sich für Teamdynamiken interessiert oder seinen sportlichen Horizont erweitern möchte.

Walker, Sam: The Captain Class. The Hidden Force That Creates the World’s Greatest Teams. Random House 2017. 352 Seiten.

The Captain Class bei Amazon kaufen.

Ich habe The Captain Class als Hörbuch über Audible gehört.