Warum wir laufen

Ronald Reng hat einige meiner liebsten Sportbücher geschrieben – Spieltage, „Der Traumhüter“ und natürlich „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“. „Warum wir laufen“ ist wahrscheinlich sein persönlichstes Buch. Auch für Nicht-Läufer kurzweilig.

Reng kommt aus einer Läuferfamilie, in seiner Jugend nahm er mit Ambitionen an Wettkämpfen teil. Später schlief seine Leidenschaft für das Laufen ein. Mit Mitte 40 fängt er wieder an und nimmt uns Leser auf den schweren ersten Kilometern mit.

Die Beschreibungen seiner eigenen Fortschritte und Wehwehchen wechselt Reng ab mit Episoden, die unterschiedliche Aspekte des Laufend als Massenphänomen beleuchten. Er trifft unter anderem in Magdeburg einen Laufcoach, beschreibt die Anfänge des Joggens mit dem Arzt Ernst van Aaken in den 1950ern am Niederrhein, begleitet Dieter Baumann zum Lauftraining in einem Jugendgefängnis, spricht mit Thomas Hitzlsperger über Laufen und Fußball und sucht einen Sportwissenschaftler im Labor auf, um seinen Fitnessgrad messen zu lassen.

Ungefähr ein Jahr begleiten wir Ronald Reng bei seinem Wiedereinstieg ins Laufen und sehen, wie der Sport beginnt, den Sportler zu beherrschen. Reng schielt auf seine alten Kilometer-Zeiten und liebäugelt mit Zielen, die er schon als austrainierter Teenager nicht geschafft hat. Es braucht Schilderungen verschiedener Gesprächspartner, um Reng klarzumachen, dass „besser“ beim Laufen nicht mit „schneller“ gleichzusetzen ist.

Das ist die übergreifende Botschaft von „Warum wir laufen“. Laufsportler sollten 80% ihrer Strecke in gemäßigtem Tempo zurücklegen und 20% mit hohem Tempo. So steigt die Leistungsfähigkeit und die möglichen Zeiten verbessern sich. Dieser Ansatz ist nicht neu, aber offenbar doch so gegen die Intuition, dass es bei Reng lange dauert, bis er sich an die Empfehlungen seiner Gesprächspartner hält. Für mich als Leser war die Botschaft umso deutlicher: lauf, aber mit Genuss. Schneller wirst du dann von alleine.

Mein Motto beim Sport ist eigentlich „Ich laufe nicht ohne Ball“. Während der Lektüre von Ronald Rengs Buch habe ich heimlich angefangen, Laufschuhe zu vergleichen und Strecken zu überlegen. Mehr muss man über „Warum wir laufen“ nicht wissen.
Reng, Ronald: Warum wir laufen. Piper 2018, 304 Seiten.

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